Genealogische Website

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Eine Abschrift über Rehhof aus dem Heimatkalender Stuhm von Februar 1932. Ich gebe nur den Original-Text ohne Bearbeitung wieder. Der national-völkische Blickwinkel ist hier stark hervorgehoben, was einer neutralen Bewertung natürlich im Wege steht.

An der Bahnstrecke Stuhm - Marienwerder liegt, fast in der Mitte, die Dorfgemeinde Rehhof.

Wenn dieser Ort auch in älterer Zeit keine besondere Rolle spielt, so verdient er doch insofern Beachtung, als er gerade in den letzten Jahren in wirtschaftlicher Beziehung einen schnellen Aufstieg genommen hat.

Das heutige Dorf Rehhof bestand in früheren Jahren aus den Ortschaften Rehhof, Rehheide und Zieglershuben. Jede dieser Ortschaften hatte ihre eigene Verwaltung. Einzelne Teile von Rehheide führten besondere Flurnamen; so hieß der Teil westlich der Bahnstrecke, zwischen dem Wald und dem Montauerweider Landweg „Uhlenwinkel“; der Teil östlich der Bahnstrecke und den Friedhöfen „Krähenwinkel“.

Daß Rehhof auch schon in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt war, beweisen Funde aus jener Zeit. In der Ordenszeit führte eine Heerstraße von Stuhm über Montken und Rehhof nach Mewe.

Nach dem Wichert'schen Roman „Heinrich von Plauen“ kam der Schwetzer Komtur auch durch Rehhof, als er nach der unglücklichen Schlacht von Tanneberg am 15. Juli 1410 von Schwetz über Neuenburg - Mewe nach der Marienburg eilte und deren Retter wurde.

Aus geschichtlicher Zeit sei ferner erwähnt, daß der Schwedenkönig Gustav Adolf nach der Schlacht bei Honigfelde von seinem Heer abgeschnitten wurde und mehrere Tage im Rehhofer Forst umherirrte.

Am 1. Oktober 1898 wurden die drei oben genannten Ortschaften zu der Landgemeinde Rehhof vereinigt. In diese Zeit fällt auch die Errichtung eines Bau- und Sägewerks durch den Zimmermeister Gresch. Später errichtete er dazu eine moderne Ziegelei. Diese Unternehmen zeitigten einen erheblichen Bevölkerungszuwachs.

Infolge der günstigen Dorfslage an der Bahnstrecke - Marienburg - Thorn, der sogen. Weichselstädtebahn - eröffnet am 15. August 1883 -, am Rande der fruchtbaren Weichselniederung, am Fuße der mit herrlichem Wald bedeckten Ausläufer der preußischen Seenplatte, stieg der Zuzug stetig.

Bei der Vereinigung zählte der Ort 1150 Einwohner; 1914 waren es 1917 und heute sind es - nachdem mit Wirkung vom 1. Dezember 1928 auch der „forstfiskalische Gutsbezirk Oberförsterei Rehhof“ eingemeindet ist - rund 2200 Einwohnber. Somit dürfte Rehhof die größte Dorfgemeinde in Westpreußen sein.

Schreitet der Besucher durch das sich lang hinziehende, peinlichst sauber gehaltene Dorf, so sind es die beiden Kirchen, welche die Aufmerksamkeit besonders auf sich lenken. Das katholische Gotteshaus, hoch auf dem Berge, 14 Meter über der Dorfstraße, ragt in einer Höhe von 54 Meter, meilenweit sichtbar, ins Land hinein. Ein Wahrzeichen deutscher Baukunst ist diese dreischiffige Hallenkirche, die im spätgotischen Stil in Anlehnung an die Bauten aus der Ordenszeit - durch Almosensammlung - errichtet ist. Ihr Erbauer ist der Architekt Heimann-Königsberg; die Maurer- und Zimmerarbeiten oblagen dem Baumeister Schulz - Mewe. 1909 wurde die Kirche geweiht. Ihr erster Pfarrer ist der noch amtierende Herr Romahn, der sich um den Bau große Verdienste erworben hat.

Im Dorfinnern, idyllisch in einem Lindenhain gebettet, liegt bescheiden das evangelische Gotteshaus. Der Bau, der sich dem gotischen Stil anlehnt, ist von dem Architekten Obuch - Mewe ausgeführt. Die Einweihung erfolgte am 14. November 1895. Erster Pfarrer war Georg Heinicke (1893 - 1897); sein Nachfolger Herr Gottschalk und von 1910 bis heute Herr Parrer Hensel.

Neben der großen modernen Ziegelei und den einzelnen sauberen Gaststätten sind es eine große Anzahl Privathäuser, die der Ortschaft ein Gemisch von Stadt- und Dorfbild geben.

Nationalpolitisch ist Rehhof ein rein deutsches Dorf. Die Polen finden in Rehhof keinen festen Boden, so antwortete mir ein Alteingesessener auf meine diesbezügliche Frage.

Ein besonders reizvolles Panorama bietet sich dem Besucher von den bewaldeten Höhen aus. Unmittelbar hinter der Bahnstrecke dehnt sich die fruchtbare Niederung mit den typischen Niederungsgehöften und Dorfschaften aus. Jenseits der uns entrissenen Weichsel sieht man bei klarem Fernblick die Stadt Mewe mit der unter polnischer Wirtschaft ausgebrannten ehemaligen deutschen Ordensburg. Man sieht die massigen Kirchtürme von Falkenau, Sprauden u.a.m. Drei Länder erblickt man hier: Deutschland, Polen und den Freistaat Danzig.

Die landschaftliche Lage Rehhofs muß als schön und reizvoll bezeichnet werden. Nach Westen und Süden zu dehnt sich das fruchtbare Weichseltal, nach Norden und Osten grenzen die staatlichen Forsten der Oberförsterei Rehhof, die einen Umfang von etwa 6500 ha haben. Der prächtige Mischwald mit seinen mehrhundertjährigen Eichen birgt nicht nur Naturschönheiten, sondern auch Naturseltenheiten in sich. Man findet hier den aus Amerika eingeführten „Götterbaum“, die Douglas-Fichte, die Wassernuß, einen Hain von Lebensbäumen u.a.m. Von den Ausflüglern gern besucht ist das sogen. „Paradies“. Unverbürgt heißt es, daß hier an den Eichen „Adam und Eva“ der König Friedrich Wilhelm II. nach der Sauhatz von Schweinegrube des öfteren ausgeruht hätte. Seinen Wohnsitz hatte er auf Schloß Weißhof, Kreis Marienwerder, genommen. Die Aufzeichnungen hierüber sind bei dem Brand der Besitzung Görzen vernichtet. Lohnend ist auch ein Besuch der sogen. „Eisernen Wand“. Eine steile Wand von ungefähr 15 bis 20 Meter, an der man die einzelnen geologischen Formen studieren kann. Es kann also ohne Übertreibung und besondere Anpreisung das Dorf Rehhof als Ausflugsort ersten Ranges bezeichnet werden, wofür es ja auch bis weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt ist. Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, zu jeder Zeit entfaltet sich hier die Natur in wechselnder Pracht und Schönheit.

Daher war es kein bloßer Zufall, daß die Landesversicherungsanstalt Westpreußen in Danzig im Juni 1914 trotz zahlreicher anderer Bewerbungen eine Lungenheilstätte in Rehhof zu erbauen beschlossen hatte. Die Landesversicherungsanstalt erwarb vom Forstfiskus in schönster, gesündester Waldlage, ein Kilometer vom Dorf entfernt, eine Fläche von 54 Morgen, auf der die Anstalt erbaut werden sollte. Der Krieg veranlaßte die Einstellung der Bauten, und wir sehen heute nur noch die früheren Anfänge, nämlich ein Arzthaus, ein Beamten- und ein Unterbeamtenhaus, sowie die Pumpstation fertiggestellt. Ob das geplante Vorhaben sich einst verwirklichen wird, liegt in dem Schiedspruch der Rechtsnachfolgerin der Landesversicherungsanstalt Westpreußen, nämlich der Landesversicherungsanstalt Brandenburg in Berlin. Vielleicht hat sie Einsicht mit einem wirtschaftlich schwer ringenden Grenzkreise.    (Autor: - Johannes Klosinski - Stuhm)

Gerade den besten Gesetzen der Vorfahren geben wir leichten Herzens den Abschied.
(Thomas Morus)
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